Ein starres Hypothekensystem schadet der Volkswirtschaft.
Da Kreditverträge für die Baufinanzierung in Deutschland sehr flexibel gehandhabt werden, entsteht der
Volkswirtschaft Schaden in Millionenhöhe. Die Umschuldung auf einen billigen Kredit ist teuer und so zahlen die
Kreditnehmer brav ihre Eigenheim-Hypothek ab, welche Sie in den neunziger Jahren abgeschlossen haben.
Der Effektivzins für einen Baukredit aus Kreditverträgen der damaligen Zeit beträgt immerhin
stolze acht Prozent, während heute Kreditangebote unter vier Prozent effektivem Jahreszins keine Seltenheit
sind. Hypotheken-Kunden, welche zum Beispiel im Jahr 1994 einen Darlehensvertrag über umgerechnet 300 000 Euro
zu einem Effektivzinssatz von 7,8 % unterschrieben haben, verloren bis Mitte des Jahres 2005, als ein
Zehn-Jahres-Kredit für 3,8% Effektivzins zu haben war, jedes Jahr mehr als 10 000 Euro.
Hätte alle Darlehensnehmer in dieser Zeit zu niedrigen Zinsen eine Umschuldung vorgenommen, hätten diese
Personen rund 305 Millionen Euro übrig gehabt und diese Summe hätte zum großen Teil auch in den Konsum fließen
können.
In anderen Ländern ist man in Sachen Hypotheken Umschuldung schon viel weiter. In den USA zum Beispiel konnten höhere Beleihungen
von Wohnungseigentum und niedrige Zinsen die Kreditkosten drastisch senken, was zu einem stabilen
Wirtschaftswachstum beigetragen hat.
Das Problem bei einer Umschuldung liegt in unserem Land eindeutig in der Vorfälligkeitsentscheidung. Diese
entsteht, wenn ein Kreditnehmer das Darlehen vorzeitig tilgen oder zu einer günstigeren Kreditbank wechseln
möchte.
Vorfälligkeitsentschädigungen dienen dann dazu, das Kreditinstitut für entgangene
Zinseinkünfte zu entschädigen. Leider ist jedoch die Entschädigung so hoch, dass eine Kreditumschuldung zu einem
günstigeren Zinssatz-Angebot nicht lohnt und man genau so gut den bestehenden Kreditvertrag zu schlechten
Kreditkonditionen weiterlaufen lassen kann.
Somit wird eine Kreditkündigung in den seltensten Fällen durchgeführt und die Immobilienbesitzer können günstige
Zinsphasen nicht ausnützen. Bauherren mit einem Baukredit, dessen Kreditvertrag einen variablen Zinssatz enthält
können hingegen unter Einhaltung einer entsprechenden Kündigungsfrist, meistens beträgt diese 3 Monate, ihr
Baudarlehen jederzeit durch einen neuen Kredit ablösen. Bei einer Laufzeit von über 10 Jahren ist ein Ausstieg nach
Ablauf dieser 10 Jahre jederzeit möglich.
Ganz anders sieht es in Dänemark aus. Dort gibt es Kredite mit festgeschriebenen Zinssätzen wie bei uns auch,
jedoch werden diese Darlehen als Schuldverschreibungen emittiert. Will der Kreditnehmer seinen Darlehensvertrag
vorzeitig ablösen, trägt der Kunde das Zinsrisiko, da er den Bond gekauft hat und nicht die Kreditbank.
Bleibt zu hoffen, dass sich auch in Deutschland die starren Hypothekenzinsen bald lockern und die Kunden mehr
von den Vorteilen des Kapitalmarktes und der günstigen Zinsen profitieren können.
Quelle: Welt am Sonntag
Finanz - Journal 28.04.2006
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